Kindle die Vierte

Kindle die Vierte

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Lange gezögert, weil aus meiner Sicht noch keine attraktiven Geräte auf dem Markt sind, hat mich jetzt doch der Kindle 1 der vierten Generation erwischt. Daran nicht ganz unschuldig ist nun nach Jahren das Unterschreiten der Schallgrenze von 100 Euro (75 Dollar in den USA), wo aus meiner Sicht es immer interessanter wird, anstelle eines Papierexemplares, ein elektronisches Gegenstück zu lesen. Was macht aber den Reiz aus nun ein weiteres elektrisches Gerät zu nutzen?

Aus meiner Sicht ist der Riesenvorteil, viele Bücher quasi nur mit dem dünnen Eigengewicht des Kindles zu transportieren. Auf Reisen nehme ich einige Bücher mit und hier zeigen sich definitiv die Stärken. Das Display mit der aktuellen eInk-Technik ist mittlerweile klasse zu lesen und auch schnell beim Umblättern. Mein iPad hat hier keine Chancen, schon gar nicht beim Gewicht.

Der Kindle liegt einfach in einer oder beiden Händen, ist aus Kunststoff (entsprechend leicht) und besitzt an beiden Rändern leicht zugängliche Tasten zum vor- und rückwärts Blättern. Dazu gibt es kleine Tasten um wieder in seiner Buchübersicht zu springen, bzw. in die Einstellungen zu gelangen oder die Tastatur anzeigen zu lassen. Eine Fingersteuerung wie beim iPad gibt es nicht, warum auch. Der kleinste Kindle ist reduziert auf die Grundfunktionen, die zum Bücherlesen ausreichen. Viele verunglimpfen, den kleinsten Kindle, weil über das Steuerkreuz es recht umständlich ist, Eingaben entsprechend vorzunehmen. Klar wirkt dies ein wenig sperrig, weil mit dem Steuerkreuz der Cursor über die eingeblendete Tastatur von Buchstabe zu Buchstabe gehüpft werden muss, aber wann und wie oft kommt dies vor.

Solche Eingaben werden besonders am Anfang gemacht, um die Verbindung über ein WLAN zu konfigurieren. Eine Schnittstelle, um per Kabel in ein Netzwerk zu kommen gibt es nicht. Hier kann ich den Tip geben, gleich nach dem Erhalt des Kindles die Firmware zu aktualisieren 2 , denn mein Gerät wurde mit der Version 4.0 ausgeliefert; zur gleichen Zeit gab es aber schon die Version 4.0.1 . Sie unterstützt wohl Schlüssel für die WLAN-Verbindung auch mit Sonderzeichen und wer zudem noch die MAC-Adresse des Kindles sucht, um seine Filterliste im WLAN-Accespoint zu erweitern, wird auf den Folgeseiten der Einstellungen fündig. Ich selbst habe bestimmt 30 Minuten gesucht und geforscht, bis ich dann am unteren Rand in den Einstellungen die Angabe "Seiten 1 von 2" gefunden und so mir vor die Stirn geschlagen habe.

Nach den ganzen Lobesgesängen nun die Steine. Amazon verweigert immer noch das EPUB-Format. Ich Kann es nicht nachvollziehen. Der einzige Grund, der mir plausibel erscheint ist, noch weiter die Kaufkraft an Amazon binden zu wollen. Zudem will Amazon ein weiteres eigenes Format mit dem Namen "Kindle Format 8" kurz KF8 3 heraus bringen und in wie weit dieses Format sich für die Öffentlichkeit als positiv gibt, wird sich zeigen. Mich hat es eher frustriert, denn EPUB ist ein offener Standard, der im Bauch HTML-Seiten also Fließtexte beinhaltet, ideal für diese Art von Lesegeräten. PDF-Dateien besitzen keine Fließtexte, sondern Druckvorlagen, also eigentlich in Zement gegossene Inhalte und Layouts, damit jede Druckerei das Ergebnis bringt, was der Kunde auch erwartet. Der Kindle versucht auch nicht den Zement aufzuweichen, um ggf. einen Fließtext daraus zu generieren. Viel mehr wird auf dem 6 Zoll Display alles angepasst, was bei einem klassischem A4-Format keinen Spaß mehr macht, weil alles viel zu klein dargestellt wird. Der Versuch etwas zu vergrößern funktioniert zwar, aber das ewige Manövrieren mit einem Ausschnitt in der Seite, bringt keine Freude.

Der Konvertierungsdienst von Amazon, hat mir in diesem Fall auch keine Unterstützung geboten. Der erste Versuch eine eigene EPUB-Datei ohne Schutz (DRM) an die für solche Zwecke zur Verfügung gestellte eigene Mailadresse (vorname.nachname@amazon.com) zu schicken, brachte tags darauf die Ernüchterung. Eine Antwort-Mail von Amazon zeigte auf, dass nur die Formate: DOC, DOCX, RTF, HTML, TXT und archivierte Dokumente im ZIP-Container konvertiert werden. Natürlich werden auch Bilder im JPG-, GIF-, BMP und PNG-Format unterstützt. Ach ja, und es dürfen maximal 25 Objekte in einer Mail an Amazon geschickt werden.

Es war zudem von mir naiv daran zu glauben, das Buch von mir zu Arch Linux im HTML-Format samt Bilder in "einer" ZIP-Datei an Amazon zu schicken, um ein entsprechendes Amazon-Format (MobiPocket) zu erhalten. Bedingt, dass ich alle Kapitel in einzelnen HTML-Dateien gesteckt und dazu noch die ganzen Bilder bei gelegt habe, ist so locker auch in diesem Fall die Grenze von 25 Dateien überschritten gewesen. Jetzt eine einzelne HTML-Datei zu erstellen, würde sich für mich nicht lohnen, da mehr als 25 Grafikdateien zum Buch gehören. Wer seine Word-Datei eben schnell mal konvertieren möchte, dem sei hier bestimmt geholfen. Ich werde versuchen, meine EPUB-Bücher mit Hilfe von Calibre 4 in das MobiPocket-Format zu bringen.

Das entsprechende Ergebnis bzw. seine eigenen eBücher über die Amazon-Adresse auf sein Kindle zu bringen ist nicht notwendig. Einmal mit dem mitgelieferten USB-Kabel unter Mac OS X, Linux oder Windows verbunden, wird Dieser aufgeladen bzw. als Laufwerk eingebunden und gibt so seine Verzeichnisstruktur zum Füllen frei.

Das Online-Befüllen über Amazon selbst ist ein Kinderspiel und erinnert an den App Store von Apple. Einmal gekaufte Bücher landen in die eigene Sammlung und werden mit dem Kindle abgeglichen, fertig. Leider gibt es in Deutschland irgendwie noch keine richtigen Preisnachlässe bei elektronischen Büchern. Der Menschenverstand geht davon aus, dass solche Bücher eigentlich preisgünstiger sein sollten. Aktuell leider nur in Einzelfällen. Wie sich das entwickeln wird, zeigt die Zukunft.